Digitalisierung der Energiewende

Intelligente Stromnetze:
Warum die digitale Zukunft schon heute beginnt

18.01.2019, Mönchengladbach Ungeliebte Vorgabe oder große Chance? Das Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende trifft bei deutschen Stadtwerken auf ein geteiltes Echo. Und auch die Zertifizierung erster Smart Meter Gateways durch das BSI lässt weiter auf sich warten. Scheitert also der Umstieg auf moderne Messsysteme noch bevor er begonnen hat? Für die Stadtwerke Saarlouis stellt sich diese Frage nicht, denn sie starten schon jetzt mit einem flächendeckenden Rollout intelligenter Zähler. Und das aus gutem Grund. Ein Plädoyer für mehr Zukunft wagen.

Modern und intelligent. Im normalen Sprachgebrauch würden viele Menschen diese Begriffe sicher fast gleichbedeutend verwenden oder zumindest davon ausgehen, dass beide Eigenschaften fest miteinander verwoben sind. Im Fall von Stromzählern unterscheiden sich beide Begrifflichkeiten allerdings elementar. Denn ein moderner (digitaler) Stromzähler ist noch lange nicht intelligent. Er bietet nur wenig Vorteile gegenüber den altbekannten schwarzen Ferraris-Zählern und auch das Ablesen gestaltet sich schwierig: Viele dieser Geräte müssen umständlich mit einer Taschenlampe angeblinkt werden – ein Vorgang, der in Zeiten von Industrie 4.0 oder dem IoT geradezu anachronistisch wirkt. Außerdem muss für die Erstellung der Stromrechnung auch weiterhin ein Mitarbeiter des Anbieters ins Haus kommen oder der Kunde gibt die Daten selbst über das Internet weiter. Die digitale Zukunft stellt man sich irgendwie anders vor.

In diese Zukunft bringen einen erst die intelligenten Stromzähler. Denn diese verfügen im Unterschied zur modernen Variante über eine Kommunikationseinheit, mit der Daten ausgetauscht und über das Internet versendet werden können. Und erst durch diese Eigenschaft lassen sich zukunftsfähige Konzepte realisieren. Angefangen von datenbasierten Mehrwertdiensten für Kunden bis hin zu Optimierungspotential für Messstellenbetreiber hinsichtlich der Auslastung ihrer Netze. Folgt man den Vorgaben des Gesetzgebers werden diese Vorzüge aber in absehbarer Zeit nur für einen ganz geringen Teil der Kundschaft Realität werden. Denn im ersten Schritt werden nur Haushalte mit einem Stromverbrauch von mehr als 10.000 Kilowattstunden pro Jahr intelligente Messsysteme erhalten, Haushalte ab einem Jahresverbrauch von 6.000 Kilowattstunden sollen ab 2020 folgen.

Das oft gescholtene Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende räumt also sowohl zeitlich, als auch vom Geltungsbereich her große Spielräume ein und ist vor allem weniger weitreichend als so mancher denkt. Dennoch sollte man es als wertvollen Impuls interpretieren. Als Impuls, bereits jetzt die Weichen für ein komplett intelligentes Stromnetz zu stellen. Denn es bringt keine Vorteile – plakativ gesprochen – von einer klassischen Zeigeruhr auf eine digitale Variante zu wechseln, die dann aber auch nur die Uhrzeit anzeigt, wenn ich stattdessen doch die Funktionen einer Smartwatch nutzen kann.


Saarlouis setzt auf Voll-Rollout

Ein Vorreiter in Sachen Energiewende sind die Stadtwerke Saarlouis. Mit der jahrelangen Erfahrung aus zahlreichen Bundes- und Landesforschungsprojekten und dem Test neuer Technologien ist Saarlouis die erste Gemeinde, die sich für einen so genannten Voll-Rollout entschieden hat. Das heißt, die Stadt führt gar keine „modernen“ Zähler ein, da diese weder für kundenfreundliche Prozesse noch für die Energiewende Vorteile bieten. Stattdessen werden alle Kunden von Beginn an mit intelligenten Zählern ausgestattet. Auf diese Weise lässt sich sowohl die Montage wirtschaftlich organisieren, als auch der Vorteil einer einheitlichen Software in den Rechenzentren ausnutzen. Das ambitionierte Projekt soll zukünftig zahlreiche Vorzüge mit sich bringen: So müssen Kunden zum Ablesen nicht mehr zuhause bleiben, der Stromeinkauf kann für alle günstiger werden und für Hausverwalter sind einheitliche Portale geplant. So können z.B. auch bei einem Mieterwechsel Sonderablesungen entfallen.

Für die Umsetzung des Rollouts arbeiten die Stadtwerke mit einem Technologiepartner zusammen, der Hausheld AG aus Mönchengladbach. Diese übernimmt als Full-Service-Dienstleister die Abwicklung der Umstellung im Auftrag der Stadtwerke: Angefangen von Investition, Beschaffung und Montage bis hin zum gesetzeskonformen Betrieb. Der Rollout hat im Frühjahr dieses Jahres begonnen und mittlerweile sind bereits über 1.000 Zähler verbaut. Mit jedem neuen Zähler werden Prozesse dabei weiter optimiert, die Abrechnungssysteme angepasst und so Schritt für Schritt die ganze Stadt intelligent gemacht. Der flächendeckende Rollout für alle Kunden macht die Technik dabei einheitlich und wirtschaftlich.


Datenschutz und sichere Verschlüsselung

Die in Saarlouis eingesetzten Zähler sind über Smart Meter Gateways mit einem speziellen Rechenzentrum verbunden, das die Gateways einmal pro Tag abfragen kann. Der Sicherheitsstandard richtet sich dabei nach Vorgaben gemäß des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Natürlich ist es unumgänglich die bisher nicht-zertifizierten Geräte später zu ersetzen, wenn die zugelassenen Gateways tatsächlich am Markt verfügbar sind. Die oft zitierte Verzögerung hinsichtlich des Zertifizierungsprozesses ist zwar nicht erfreulich, auf der anderen Seite aber für eine sichere Infrastruktur unumgänglich. Denn mit dem wachsenden Komfort einer automatischen, digitalen Zählerauslesung steigen auch die Ansprüche in puncto Datenschutz. Das BSI hat in der Energiebranche sicher keinen leichten Stand. Man muss erst mal dafür werben, dass hohe Sicherheit eine Grundvoraussetzung dafür ist, dass Kraftwerke, Krankenhäuser und Stromnetze sicher bleiben. Man muss nur auf die jährlichen Hacker-Kongresse schauen, um zu erkennen, welche Auswirkungen nachlässig implementierte IT-Systeme haben können, bei denen der Faktor Sicherheit nicht von Beginn an im Design einbaut ist. Von daher profitieren alle Beteiligten von der Arbeit des Bundesamts.


Chancen nutzen, Zukunft gestalten

Saarlouis ist ein gutes Beispiel dafür, wie man die gesetzlichen Vorgaben dafür nutzen kann, selbst ein Stück weiter zu gehen und heute bereits an übermorgen zu denken. Denn nur wenn wirklich alle Stromzähler intelligent sind, kann ein Stadtwerk einen zeitgemäßen Service bieten, der auch in zehn und mehr Jahren noch mit zukünftigen Anforderungen Schritt halten kann. Die technologische Basis ist bereits vorhanden und eröffnet ganz neue Möglichkeiten, auch abseits vom Strom die gesamte Energieversorgung auf zukunftssichere Beine zu stellen. Einmal digitalisiert, sind neue Produkte möglich, von denen dann später alle Kunden profitieren und nicht nur einige wenige. Aus diesem Grund sollte man jetzt aktiv werden, um die Digitalisierung nicht zu verschlafen. Denn die kommt so oder so und es bleibt nur die Frage, ob das Stadtwerk die Zukunft organisiert – oder ob das jemand anderes tut.

Im Gespräch mit Dr. Ralf Levacher, Geschäftsführer der Stadtwerke Saarlouis.


Warum setzen Sie auf einen Voll-Rollout, der über die gesetzlichen Vorgaben hinaus geht?

„Wir sind davon überzeugt, dass es nicht hilft, die alten Ferraris-Zähler einfach gegen digitale Varianten auszutauschen, die keine Daten übertragen können. Denn das hat mit einem zeitgemäßen Messwesen nichts zu tun. Wenn wir nicht messen, können wir unsere Netze nicht optimal betreiben. Einmal im Jahr einen Zählerstand abzulesen, reicht nicht für die Energiewende. Wir wollen unsere Stromnetze schützen und dem Kunden gleichzeitig einen besseren Service bieten. Das können wir nur mit intelligenten Zähler erreichen, die mit der Außenwelt verknüpft sind und ein modernes Energie-Management des Verteilnetzes bis hinein in die einzelnen Haushalte ermöglichen.“


Für die Realisierung des Umstiegs arbeiten Sie mit Hausheld zusammen? Gibt es dafür spezielle Gründe?

„Wir arbeiten schon länger mit Hausheld zusammen und halten seit Ende 2017 auch eine Beteiligung am Unternehmen. Gemeinsam haben wir vor einigen Jahren einen Technologieansatz für eine stadtweite Vernetzung entwickelt und konnten mit dieser Idee 2013 den VKU-Innovationspreis gewinnen. Die technologische Basis dieser damals auf Smart-Homes ausgerichteten Lösung bildet heute das Grundelement für die intelligenten Messsysteme von Hausheld. Unsere beiden Unternehmen eint die Vision einer schnellstmöglichen Umrüstung aller Stromzähler auf intelligente Messsysteme und damit die Realisierung eines vollständig erneuerten Messwesens.“



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